Mit der Übernahme der Verantwortung des Trainergespanns Jürgen Klinsmann und Jogi Löw schien in der Fußballnationalmannschaft eine neue Offenheit in der Fußballnationalmannschaft entstanden zu sein. Keine Wiederauferstehung des Mottos “Elf Freunde müsst ihr sein“, sondern etwas Neues. Und etwas verdammt Erfolgreiches. Junge, motivierte Männer, die den Erfolg wollten. Plötzlich waren sie da. Keine verwöhnten, überbezahlten Fußballstars, die die zum Teil gleichen Spieler unmittelbar davor noch gewesen sein sollten. Wie hatte die Fußballnation das (wieder mal) vermisst!
Fußballexperten werden gewiss jede Menge (wenn nicht Millionen) Gründe für die sich einstellenden und bis heute andauernden Erfolge der Fußballnationalmannschaft kennen. Mir kam es so vor, als sei der neue Umgang miteinander ein wesentlicher Erfolgsfaktor gewesen.
Die Art und Weise, wie Jogi Löw mit Michael Ballack umgegangen ist, macht mir wieder mal klar, wie naiv ich doch bin.
Form und Inhalt der Mitteilung sind leider bezeichnend dafür, wie sich der Bundestrainer mir gegenüber seit meiner schweren Verletzung im Sommer letzten Jahres verhalten hat. Ein längst vereinbartes Freundschaftsspiel jetzt als Abschied zu deklarieren, ist aus meiner Sicht eine Farce. Ich weiß, dass ich meinen Fans dieses Spiel eigentlich schuldig bin, aber ich kann dieses Angebot nicht annehmen. (Michael Ballack, 17.6.2011) ((Spiegel – Artikel))
Vielleicht stimmte die Chemie zwischen Löw und Ballack nicht, wie manche Löws “Taktik” begründet haben. Ich frage mich, was überhaupt ein Grund dafür sein kann, ein Mitglied eines erfolgreichen Teams so schmählich auszubooten. Weiß der Teufel, welche Dinge im Hintergrund eine Rolle spielen könnten. Das “Kapitänspaar” Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, beide FC Bayern, ergänzte sich wohl nicht nur sportlich sehr gut. Lahm reklamierte den Titel des Kapitäns in meinen Augen ein bisschen zu schnell und zu lautstark für sich. Oh, natürlich ist er ein Guter und, was ihm keiner vorwirft, ein ehrgeiziger Spieler. Aber an diesem frühen Punkt hätte Löw schon eingreifen und die Sache klären müssen. Stattdessen eierte er viel zu lange herum. Ein eitler Mann, dessen Führungsstärke im Lichte dieser Peinlichkeit in Zweifel zu ziehen ist.
Ich sehe eine Parallele zu unserer Gesellschaft — im Umgang mit älteren Arbeitnehmern. Nicht einmal einen fairen Abgang ist man den neuen Leistungsträgern wert.













Lieber Horst,
ich freue mich, dass du dieses Thema aufgegriffen hast. Ich selber konnte nicht darüber schreiben, weil ich Herrn Ballack nicht leiden kann. Sein Wechsel zu den Bayern hat gezeigt wofür er wirklich steht, nämlich nur für sich selbst. Damals habe ich ihm so ein schimpfliches Ende gewünscht, wie er es heute erlebt. In wenigen Jahren wird es Manuel Neuer übrigens genauso gehen.
Der Profifußball ist eine rein kommerzielle Veranstaltung bei dem es nur um die Tagesleistung geht. Neoliberalismus in Reinkultur.
Die meisten Arbeitnehmer haben keine Wahl, bei der Wahl ihres Arbeitgebers, die Profis hätten ein und verkaufen sich stattdessen meistbietend. Ballacks unrühmliches Ende ist seine eigene Schuld. Er hat sich seine Schlächter selbst gewählt.
Naja, man hat es doch schon früher gesehen wie Löw mit Spielern umgeht. Ich denke da an einen gewissen Kevin, der immer wieder zu Länderspielen eingeladen wurde, aber nie spielen durfte. Nachdem er sich dann Luft gemacht hat und einfach, ohne Absprache mit Löw nach Hause gefahren ist, was ich sehr gut verstehen konnte, war es für gelaufen. Das der Kevin danach bewiesen hat, dass er immer noch ein Klasse Stürmer ist, hat den Herrn Löw ja nicht mehr interessiert.
Jochen Hoff, Ballack ist auch nicht mein Fall. Die Entscheidung, zu Bayern München zu wechseln haben viele andere auch getroffen. Das würde ich ihm nicht übel nehmen. Natürlich ist Fußball eine “kommerzielle Veranstaltung” aber muss das zwangsläufig den mitmenschlichen Umgang in dieser Form prägen? Ich finde, dass muss nicht sein. Wir sind alle Bestandteile des Systems. Ebenso wenig wie wir das mit unseren kleinen Gehältern vermeiden können, werden das auch die Fußballstars können. Ich finde, man sollte dem System den Vorwurf machen, nicht dem schwächsten Glied in der Kette. Das ist im einen Fall der Arbeitnehmer, im anderen eben der Spieler Ballack.
Sven, Löw hat sich schlecht verhalten, ganz schlecht. Das sollte man ihn auch spüren lassen. Die Gelegenheit wird kommen.