Idealisten kann man bewundern — muss man aber nicht. Manchmal fallen sie einem auch echt auf die Nerven. So geht es mir im Moment mit den Atomkraftgegnern, die keine Ruhe geben wollen. Sie greifen die Grünen an, weil ihnen der Ausstieg nicht schnell genug vonstatten geht, und weil die Partei sich mit dem Erreichten zufrieden zeigte.
Sowohl innerhalb der Partei als auch im Sympathisantenkreis gibt es Widerspruch. Sogar von Verrat ist da die Rede. Solche Vorwürfe werden an die Partei gerichtet, mit der jahrzehntelang für das gleiche Ziel gekämpft wurde. Es geht um 5 Jahre, wenn ich es richtig verstehe. Um 5 Jahre, die die Anti-Atomkraftbewegung früher aussteigen will.
Vielleicht ist es konsequent, dass man in diesem Fall auf Maximalpositionen beharrt. Mir kommt es angesichts der Debatte darüber und die noch längst nicht beendet ist, so vor, als würden Kinder über ihre Schüppchen streiten.
Seitens der Industrie wird uns damit gedroht, dass es schon aufgrund der Stilllegung der 8 Meiler in diesem Winter zu Blackouts kommen könnte und dass unser Land seine wirtschaftliche Position einbüßen wird. Arbeitsplätze und Existenzen seien bedroht. Man muss so etwas nicht glauben und doch sind die Szenarien, wie auch die andauernde Diskussion zeigt, wohl längst nicht so frei von Risiken, wie viele sich das vielleicht wünschen.
Das Verhalten der Atomkraftgegner kann ich nicht nachvollziehen. Es ist falsch und unklug, den Grünen in dieser Phase vorzuwerfen, den Regierungsentscheidungen nur zugestimmt zu haben, weil man sich damit neue Koalitionsbündnischancen eröffnen wolle. Zudem zeugt dieses fast kindlich-trotzige Verhalten nicht gerade von einem ausgeprägten Demokratieverständnis. Die erreichten Resultate wurden nach harten Auseinandersetzungen erreicht. Die Atomkraftgegner hatten recht. Das weiß die Mehrheit im Land und die politischen Entscheidungen wurden endlich getroffen. Jetzt sollte man sich anderen Aufgaben zuwenden.
Es gibt genug Probleme, die gelöst werden müssen.












Würde man den Hamburger Hafen morgen dichtmachen und die Waren von und nach Deutschland ab sofort über den Frankfurter Flughafen oder diverse Autobahnen verschicken, wäre das Ergebnis eine Katastrophe. Zwar sind die Atomkraftwerke nicht ganz so wichtig für unsere Stromversorgung wie der Hamburger Hafen für die Warenströme des Landes aber auch hier wird spannend zu beobachten sein, wie das Experiment endet, zuerst die Herunftsorte des Stroms zu ändern und sich erst dann Gedanken über die zu seiner Verteilung nötigen Infrastruktur zu machen.
Jan, Auch wenn das anders dargestellt wird, auch die Regierung hat nie behauptet, dass diese Umstellung einfach werden wird.
Ich wünsche von Herzen, dass es gut geht und sich nicht die Probleme einstellen, die uns diejenigen, die nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben, ausmalen. Wissen tut das heute niemand. Auch wenn manche so tun, als ob sie es wüssten. Später wird es für beide Positionen “Repräsentanten” geben, die es immer schon besser wussten.
Ganz so, wie das heute mit dem Euro läuft. Eigentlich ist es zum Heulen.
Sie behauptet es zwar nicht aber da daran anscheinend kein einziger tiefer gehender Gedanke verschwendet wird, nimmt man etwaige Katastrophen billigend in Kauf. Das ist so beim Euro un es scheint auch bei der Energieversorgung so zu sein. Und die Leute findends total geil – also findet Merkel es auch total geil. So einfach ist das. Wir sind selbst schuld.
Ich persönlich halte den Begriff “Experiment” für unpassend – bei dem beschlossenen Atomausstieg handelt es sich um einen politischen Kompromiss, bei dem ich erst einmal Redlichkeit unterstelle angesichts der wirklich realen “Katastrophe” in Fukushima. Hier auf Maximalforderungen zu beharren erscheint schon etwas bizarr vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Verhandlungspartner mit der kommenden Verfassungsklage der Energiekonzerne gerechnet haben müssen – bei diesem Thema sollte dann ersichtlich werden, wes Geistes Kind sich in der Praxis behaupten wird. Fundamentalopposition diskreditiert sich hier selbst angesichts der noch zu treffenden Entscheidungen.
Wirklich viel interessanter wird es, wenn der Ausstieg tatsächlich irgendwann vollzogen ist. Wofür kämpfen dann die Grünen?
Man kann sich auch ganz ketzerisch fragen: haben die Grünen überhaupt noch eine Existenzberichtigung nach dem “Ausstieg”. Viele Leute denken nur an das eine Ziel.
Ich denke: auf jeden Fall! Nur leider gehen die anderen Themen jetzt etwas unter.
Schon alleine, an den Überresten der Kernenergie (Atommüll) werden wir lange “Freude” haben. Und das löst man nicht einfach mal durch ein neues Gesetz!
LG, … Gwelwen
Gwelwen,
Die Grünen nur auf den Atomausstieg zu reduzieren, ist ziemlich unpassend. Dass sie besonders dafür bekannt sind, steht außer Frage, aber wie so üblich ist das auch einfach eine Frage der Popularität eines Themas.
Was die Idealisten angeht, die sich hier auf keinen Kompromiss einlassen wollen, so gebe ich dir vollkommen Recht, wenn du diese Position als kindisch ansiehst. Und wenn nicht kindisch, dann zumindest realitätsfern. Aber genau das ist ja auch typisch für solche Einstellungen. Extreme sind nicht durchsetzbar, das will einfach nicht in den Kopf mancher Leute.