Darf man das, was zwischen den Oberen der grünen Partei und dem Parteivolk und den Sympathisanten vorgeht, als demokratische Auseinandersetzung um die Sache werten? Jetzt doch eigentlich nicht mehr. Angesichts der Beschlusslage. Schließlich ist die Birne geschält, der Atomausstieg beschlossene Sache.
Ich kann nur den Kopf darüber schütteln.
Wenn sich das so weiter entwickelt (auch unter Einbeziehung der Streitereien um Stuttgart21), werden die Grünen schneller auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen, als viele ihrer Gegner sich das gedacht oder gewünscht hätten.

Da finden wir keinen ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien, kein verbindliches Einsparziel beim Energieverbrauch, keine ergebnisoffene Suche nach einem atomaren Endlager, stattdessen aber neue Kohlekraftwerke. In all diesen Punkten lehnen wir die Regierungspläne ab.
Jürgen Trittin: “Der Abschaltung nicht zustimmen? Undenkbar!” – Quelle: WELT ONLINE
Was heißt das also? Zustimmung oder doch keine Zustimmung? Sucht man also die Teile zusammen, die die streitbaren Positionen der Grünen konservieren können – zum Schulterschluss mit der eigenen Klientel?
Wenn Trittin und die Grünen diesen inhaltlichen Dissens zu den Regierungsplänen sehen, dürften sie auch nicht zustimmen. Kann man an den Einlassungen Trittins nicht festmachen, dass die Grünen in einigen Fragen keinen Plan haben? Sie wollen den Ausstieg und verlangen aber z.B. “eine ergebnisoffene Suche nach einem automaren Endlager”. Trittin geht ja wohl, wenn er von ergebnisoffen redet, offenbar davon aus, dass dass es keine Einigung über ein Endlager geben wird. Und dann? Schicken wir das Zeug zum Mond, ja?











Jeder hat ein Gefühl für die Sache, seltener eine Meinung. Was oft verwechselt wird.
Jeder hat auch Verantwortung. Die allermeisten entziehen sich dieser nicht mal – einfach deshalb, weil sie nicht mal ahnen, dass sie die haben.
Also findet und “meint” man, weil man empfindet und dabei keine Meinung hat. Die kann man erst haben, wenn man sich mit der Sache auseinandersetzt. Und weil Zeit und gesichertes Wissen fehlt, daher sowieso keine “Lösung” angeboten werden kann, belässt es die Mehrheit dabei. Und dann wird abgestimmt.
Wass die Mehrheit NICHT will, ist allen klar und was die Mehrheit will, sind sofort verwirklichte Utopien und in Ruhe gelassen werden… Dafür nimmt man sogar persönliche Unbequemlichkeiten in Kauf.
Wo findet eigentlich eine abwägende streitbare Argumentation zum gemeinsamen Ziel statt?
Nirgends, alle wollen nur dadurch besser sein, indem sie den Gegnerkonzepten Unhaltbarkeit und Blödsinn unterstellen.
Ich persönlich halte alle, die gegen etwas sind, für Staub im Fensterbrett und merke erst auf, wenn jemand FÜR etwas ist und dafür Argumente hat, die mehr als die Negation des Abgelehnten sind, eben Weg und FÜR beschreiben. (Muß ja nicht perfekt oder endgültig oder fehlerfrei sein)
Aber der Staub im Fensterbrett ist so dickschichtig, da fällt kein Licht mehr in den Raum.
Und natürlich kann man zustimmen und die Zustimmung verweigern!!!
Wenn man zustimmt, nach Rom zu reisen, muß man nicht zustimmen, dies über Island zu machen. Entkoppelt könnte man über den Reiseweg beraten…
zur Ergänzung:
“Dagegen sein” schafft immer Mehrheiten.
Vor zwei Monaten war man gegen Atomkraft und jetzt ist man eher gegen teuren Strom.
Eine Entwicklungsgeschichte der Grünen.
Manager Magazin 7/2011, S. 111
Prof. Peter Stadler: “Ich halte es für absolut besorgniserregend, dass sich der Widerstand gegen Technik in Deutschland als institutionalisierter gesellschaftlicher Prozess etabliert.”
Ohne wirklich aktive, denkende Beteiligung deligieren wir also jede Entscheidung
an eine entschlossenen Minderheit.