Diese Republik ist verrückt geworden. Die Arbeitgeber sind angesichts der hohen Gewinnzuwächse, die viele in diesem fulminanten konjunkturellen Aufschwung zum Glück erwirtschaftet haben, trotzdem nicht bereit, ihre Arbeitnehmer angemessen zu beteiligen. Im Schnitt gibt es 3 % und durch die Inflation gewinnen die Arbeitnehmer nicht, sondern sie verlieren. Trotzdem warnen manche Arbeitgebervertreter vor zu hohen Lohnabschlüssen.
Es gibt eine Partei in unserem Bundestag, die sich für Entlastungen der Arbeitnehmer einsetzt. Fortgesetzt und ohne Rücksicht auf das eigene Ansehen. Man sollte glauben, dass eine solche Partei populär wäre. In Griechenland wäre sie das vielleicht. Hier wird die FDP verhöhnt und verspottet. Nicht nur von den anderen Parteien, auch vom Wahlvolk. Für diese Partei kann man nur schwarz sehen. Auch das neue Personal hat sich nicht beirren lassen. Philipp Rösler ist in Westerwelles Fußstapfen getreten. Das funktioniert nicht. Ich schätze, so fällt er voll auf die Schnauze.
Interessant ist auch, dass angesichts der immer komplexer werdenden Sachverhalte und der damit verbundenen Ansprüche an die Wähler, sich manche Dinge verändert haben, die man eigentlich ganz anders erwartet hätte. Nehmen wir als Beispiel mal die Sendeplätze und die Dauer der politischen Magazine im Deutschen Fernsehen. Heute Abend zum Beispiel läuft von 21:45 bis 22:15 Uhr gerade mal eine halbe Stunde lang das Magazin “Report”. Diesmal ist die Filiale Mainz dran. Obwohl sich auch an der Parteilichkeit der Magazine einiges geändert hat, liegt auch heute nicht jedes ganz auf meiner Welle. Wenn die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihren verbrieften Auftrag doch nur wahrnehmen würden. In diesen kurzen Formaten klappt das wohl nur sehr schwer. Dafür gibt es immer mehr Talkshows. Von denen weiß man, dass die Moderatoren ihren Gästen immer dann ins Wort fallen, wenn diese etwas wirklich Substanzielles (und damit mitunter auch langwieriges) vortragen. Vermutlich genau deshalb nimmt man gern Frauen für die Moderatorenrolle. Da wirkt es nicht ganz so abrupt.
Heute hat Westerwelle den tunesischen Außenminister, Mohamed Mouldi Kefi, empfangen. Ob der ihn wohl danach gefragt hat, ob an dem Gerücht etwas dran wäre, dass Deutschland Saudi Arabien für ein paar Milliarden Euro mit Panzern versorgen wird? Tunesien ist eines der Länder, die sich im Zuge des afrikanischen Frühlings, ihrer ehemaligen Regierung entledigt haben. Verantwortliche des alten Regimes standen und stehen vor Gericht. Andere Völker in der Region werden von den dortigen Regimen massiv unter Druck gesetzt. Über Syrien und Libyen wissen wir mehr, in anderen Ländern der Region hören wir leider nicht viel. Wir wissen aber, dass Saudi Arabien die alten Machthaber stützt – zum Teil auch mit militärischen Mitteln. Außerdem ist bekannt, welche Bedeutung dieses Land für den internationalen Terrorismus hat. Dass die Saudis an der militärischen Intervention gegen Bahrein beteiligt waren, ist hier kaum zur Kenntnis genommen worden. Komisch, nach ein paar Tagen war von der Revolution in Bahrein nichts mehr zu sehen und nichts mehr zu hören. Aber die Formel1 dort wurde abgesagt. Sowas interessiert uns auch ungleich mehr.
Viele sind nicht in der Lage, die komplexen Vorgänge bei uns und auf der Welt auch nur einigermaßen adäquat zu reflektieren. Aber unser Verlangen nach mehr Mitsprache, nach mehr Beteiligung verschafft sich lautstark Raum. Passt das wirklich zusammen? Wenn wir die Atomkraftwerke abschalten und etwas tun, wofür wir auf der Welt komisch und verständnislos angesehen werden, warum zum Teufel können wir dieser Regierung nicht verbieten, Panzer nach Saudi Arabien zu exportieren. Bei den Atomkraftwerken spielen wir doch auch -und mit fliegenden Fahnen- den Vorreiter. Ich sag euch, warum. Es geht uns glatt am Arsch vorbei, weil es uns nicht direkt betrifft.












