Einer der brisantesten Vorwürfe lautet, dass jeder vierte Schüler ohne Frühstück zur Schule gehe. Nachdrücklich gefordert werden „konkrete Maßnahmen“, damit „Kinder, besonders aus armen Familien, richtige Mahlzeiten erhalten“.
UN-Bericht rügt Deutschland – Kölner Stadt-Anzeiger
Für diesen Vorwurf habe ich deshalb kein Verständnis, weil nicht der Staat dafür verantwortlich gemacht werden sollte. Dafür, dass Kinder vor der Schule frühstücken, sind nun wirklich die Eltern verantwortlich. Auch dann, wenn die es vorziehen sollten, im Bett liegen zu bleiben.











wer weiß, ob das nur daran liegt, das ggf. die Eltern im Bett bleiben ….
Naja, ich glaube es geht nicht nur um die, die frühs nicht aufstehen und kein Essen machen, sondern mehr um die, die gar kein Essen haben, was sie zum Frühstück essen könnten. Es ist tatsächlich so, dass ab und zu mal das Geld fehlt, um ein Brot zu kaufen. Und das ist ja eigentlich gar nicht so teuer. Aber Brot allein macht ja auch nicht Glücklich, denn wenn man kein Brot hat, hat man meist auch keine Wurst, keine Kornflakes, keine Milsch und so muss man dann eben frühs hungrig zur Schule gehen.
blogZicke, Dürfen wir von Eltern nicht erwarten, dass sie für ihre Kinder aufstehen und ihnen ein Frühstück machen? Soll dafür wirklich die Schule bzw. der Staat zuständig sein? Das verstehe ich nicht.
Sven, Aha. Du glaubst, dass es in Deutschland Menschen gibt, die keine Scheibe Brot für ihre Kinder übrig haben? Ich glaube eher, dass hungrige Kinder deshalb hungrig sind, weil ihre verdammten Eltern sich einfach nicht kümmern. Aus Gleichgültigkeit, aus Faulheit oder aus anderen Gründen. Dafür habe ich 0 Verständnis.
Horst Schulte,
Ich glaube das nicht nur, ich bin mir da ziemlich sicher, um nicht zu sagen, ich weiß es. Und es wird immer schlimmer werden, wenn sich die Politik nicht langsam mal etwas einfallen lässt. Hinzu kommt, dass gesunde Ernährung für viele dieser Kinder ein Fremdwort ist, nicht weil sie sich nicht gesund ernähren wollen, sondern weil das Geld fehlt. Viele wissen nicht mal mehr, wie so ein Apfel schmeckt… Das sollte doch mal zum Nachdenken anregen.
Sven,
Wenn Kinder sich nicht gesund ernähren, so ist das die Verantwortung der Eltern – vielleicht nicht nur aber doch in erster Linie. Kann es sein, dass wir diese elementare Aufgaben wirklich an unseren Staat übertragen wollen? Ich kann das nicht glauben.
Horst Schulte,
Es geht hier nicht darum, diese Aufgabe dem Staat zu übertragen. Es geht darum, dass es inzwischen viele gibt, die sich das Essen nicht mehr leisten können. Es gibt viele Menschen denen einfach das Geld fehlt. Einige davon gehen dann zu Einrichtungen wie die Caritas oder die Arche Noah, aber das sind nicht alle.
Es war ja nicht unser Thema, was arm ist. Diese Definitionen sind schon an sich kritisch. Im Augenblick ist sie ja wieder sehr aktuell – aufgrund der Studie der Böckler-Stiftung.
Wenn ich Kinder hätte, hätten diese immer Vorrang. Jedenfalls vor mir. Ich würde sie nicht hungern lassen. Auch wenn du es nicht hören magst, die Verantwortung für diese elementaren Dinge haben die Eltern, nicht der Staat!
Ich sehe, dass immer mehr Leute die von dir genannten Einrichtungen besuchen, aber ich bin nicht in der Lage, zu beurteilen, welche Schlussfolgerungen wir daraus ziehen müssen. Das war aber auch nicht das Thema. Arme Menschen gibt es und dagegen muss diese Gesellschaft etwas tun – aktiv und wirksam. Mir geht es um die Frage, wie wir mit Verantwortlichkeiten umgehen. Für Kinder sind deren Eltern verantwortlich – der Staat höchstens in Ausnahmefällen. Sind das also alles Ausnahmefälle, wenn du meinst, dass es so viele gibt? Nee, das kauf ich nicht.
Horst Schulte,
Ich sage es gern noch einmal. Sicher sind die Eltern für die Kinder verantwortlich, aber wo kein Geld ist, da ist nun einmal auch keine Möglichkeit da, um Essen zu kaufen. Du solltest das jetzt einmal auseinander halten. Und zwar:
Punkt 1: Der Staat muss dafür sorgen, dass Familien genügend Geld zur Verfügung haben. Das soll nicht durch Subventionen geschehen, sondern dadurch, dass Arbeit endlich wieder anständig entlohnt wird. Vielleicht auch dadurch, dass das Kindergeld eben nicht vom Hartz 4 Satz abgezogen wird.
Punkt 2: Natürlich müssen dann die Eltern auch am Morgen aufstehen und ihren Kindern das Essen zubereiten. Natürlich müssen die Eltern dann auch das Pausenbrot für die Schule fertig machen und natürlich müssen die Eltern dann auch für das Mittagessen und das Abendessen sorgen. Diese Verantwortung soll ihnen nicht abgenommen werden, sie sollen die Kinder nicht abschieben. Aber um eben diesen Pflichten nachzukommen, muss erst einmal etwas zum Essen im Kühlschrank sein.
Und ja, die Kinderarmut in Deutschland ist ziemlich hoch, da kann ich mir vorstellen, dass viele dieser 25 Prozent eben genau zu diesem Kreis gehört. Und ja, mit Sicherheit gibt es auch einige Eltern, die eben nicht aufstehen, die sich nicht um ihr Kind kümmern. Aber da ist dann nicht nur das Frühstück betroffen, sondern auch das Lernen für die Schule, die Kontrolle für die Hausaufgaben und vieles mehr. Es gibt also verschiedenste Gründe, dass Kinder morgens hungrig in die Schule gehen. Aber du kannst nicht alle über einen Haufen werfen.
Das Stichwort “Montagshunger” gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten.
Natürlich sind die Eltern für die Kinder verantwortlich. Nur hat der Staat insofern eben auch die Verantwortung übernommen, als er gerade mit diesem Argument die Kindergelderhöhungen regelmäßig vollzogen hat.
Statt also kostenfreie Schulspeisung (Teilkostenbeteiligung nützt nichts) also lieber Kindergeld an die Eltern, damit die mehr für die “Pulle” haben…
Und jetzt wundert sich “Frau von der Leidenschaft”, warum diverse Gutscheine nicht abgerufen werden…
Anständige Entlohnung – dafür bin ich auch. Aber dass der Staat dafür sorgen muss, dass Familien genügend Geld zur Verfügung haben, ist abenteuerlich. Das verstehe ich nicht unter einem Sozialstaat. Erstmal muss sich jeder darum bemühen, klarzukommen mit seiner Situation. Der Staat greift ein, um vorübergehend eine Grundsicherung der Betroffenen sicherzustellen. Dein Anspruch an den Staat geht mir zu weit. Und das heißt eigentlich schon etwas.
Im Punkt 2 sind wir einer Meinung. Nur, dass ich nicht finde, dass der Staat die Verantwortung dafür hat, dass “der Kühlschrank” voll ist. Diese Verantwortung hat die Familie – die Eltern.
Ich stimme dir zu, man darf die Dinge nicht vermischen. Aber hab ich das getan? Es gibt Menschen, denen die Gesellschaft (der Staat) Hilfe anbietet. Das ist Sinn des Sozialstaates. Aber nie würde ich deine Meinung teilen, dass der Staat die Verantwortung für Menschen übernehmen muss. Die soll bitte bei uns bleiben. Wir geben uns nämlich sonst auf. Das ist auch ein Teil einer Wahrheit, die nicht ausgesprochen wird. Viele haben es aufgegeben zu kämpfen. Vielleicht, weil sie glauben, dass dieser Staat ihnen schon helfen wird – oder, wie du es formulierst, helfen muss.
franz wanner,
Kindergeld hat eine Funktion. Wenn diese Funktion umgedeutet wird, als Verantwortung des Staates für die Kinder oder die Familien ist das in meinen Augen nicht richtig. Die möglichen Folgen hast du aus meiner Sicht richtig beschrieben. Mir macht das große Sorgen.
Da verstehst du was falsch. Ich sage nicht das der Staat für einen vollen Kühlschrank zuständig ist, aber er ist dafür zuständig dass der Kapitalismus die Menschen nicht ausbeutet. Er muss die Bedingungen für einen sozialen Kapitalismus (beide Wörter passen nicht zusammen) schaffen – er muss dafür sorgen das Menschen am Ende eines Monats nicht nur 800,- Euro auf dem Konto hat, obwohl er 40 Stunden gearbeitet hat in der Woche, 160 Stunden im Monat. Dafür ist der Staat verantwortlich, nicht für das, was die Eltern am Ende mit dem Geld machen.
Wenn du jetzt sagst, dass jeder selbst dafür Verantwortlich ist, genügend Geld in die Haushaltskasse zu bekommen, damit er die Familie ernähren kann, dann musst du hier einmal die Ansätze dafür bringen? Ist denn diese Haushaltskasse nicht abhängig davon, wie viel man Verdient? Ist diese Haushaltskasse nicht abhängig davon, ob man für seine Arbeit anständig entlohnt wird oder ob man ausgebeutet wird? Das kannst du als einzelner nicht ändern. Man kann sich einen neuen Job suchen, okay, aber den muss man erst einmal finden.
Das noch andere Probleme hinzu kommen, das möchte ich gar nicht bestreiten. Dazu gehört mit Sicherheit auch der Alkohol, von dem viele sozial schwache “Familien” abhängig sind. Dazu gehört auch die fehlende Motivation aus dem Bett zu kommen und noch viele andere Dinge.
Sven,
Da sind wir absolut einig. Der Kapitalismus muss gestoppt werden. Damit erledigt sich einiges von dem, was uns beide jetzt trennt. Dass ein Mensch oder eine Familie für eine Arbeit ein auskömmliches Einkommen bekommen muss ist selbstverständlich und leider läuft das nicht so.
Der Staat muss für die Rahmenbedingungen sorgen, die den Ausgleich zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen vorsieht, nicht nur ermöglicht.
Die SPD hat Ende der 90er Jahre unter Schröder einen Prozess in Gang gesetzt, von dem die einen heute meinen, er sei ein Segen für unser Land und die anderen sehen darin eine Demontage des Sozialstaates. Zu denen gehören wohl wir beide. Jedenfalls sind die Realeinkommen in den letzten 10 Jahren gesunken (wie man gerade der Presse entnehmen konnte). Nicht “nur” die der Rentner, auch die der Arbeitnehmer. Die Arbeitgeber haben gelernt (voneinander), wie sie die von der Politik geschaffenen Möglichkeiten für ihre Zwecke ausnutzt. Das wieder umzudrehen ist ein langwieriger und schwieriger Prozess.
Wer ist der Staat? – Eine Zweckgemeinschaft.
Dass der einzelne den Staat immer als Übergriff empfindet, da er seltenst bei- oder austreten kann, ändert nichts daran, dass der Staat für die Gesamtheit der Bürger eine änderbare Übereinkunft ist, die nach Mitgestaltung geradezu schreit…
Will ja eigentlich niemand mehr. Sich als Opfer mit vernünftiger Einsicht zu betrachten, ist einfach bequemer und schützt vor Mißerfolgen. Man pflegt halt sein “Leiden” auf intellektuellem Niveau.
Welche “Funktion” hat Kindergeld denn?
- Etwa die als anerkennendes Salär für die Eltern/die Mutter Kinder in die Welt gesetzt zu haben?
Dann ist der staat keinesfalls für Kinder verantwortlich. Gleich weg auch mit Schulpflicht und Sozialamt etc, weil die unzulässig in die Rechte der Eltern an ihren Kindern eingreifen…
- Oder soll das kindergeld den Kindern zugute kommen? Dann hat der Staat (als Vertreter des Steuerzahlers) sehr wohl die Pflicht! a) für die Verwendung der Gelder b) auch für die Kinder (da er in einigen Punkten die Elternrechte entscheidend eingeschränkt hat)
franz wanner,
Der Staat regelt viel – vor allem hier in Deutschland. Ob das gut ist, sei mal dahingestellt. Wenn also der Staat zum Beispiel das Kinderkriegen damit belohnt, dass die Eltern Kindergeld kriegen, gut. Soll so sein. Aber das soll doch bitte nicht so weit gehen, dass der Staat in der Folge für belegte Brötchen und geschmierte Butterstullen zu sorgen hat. Da würde ich persönlich schon eine Linie ziehen.
Übrigens finde ich sehr interessant, dass von den Hunderten von Millionen Euro, die von der Leyhen den Kindern zugute kommen lassen wollte, kaum was abgerufen wurde. Auch das beweist, dass viele Eltern ihre Verantwortung schlicht nicht wahrnehmen. Andere sagen, dass die Hürden zu hoch seien. Geschenkt. Für mich wirkt gerade diese Erfahrung ausgesprochen befremdlich. Maulen können alle. Wenn aber was getan wird (vom Staat) kriegen sie das nicht einmal im Interesse ihrer eigenen Kinder hin. Es könnte ja mit Arbeit verbunden sein. Wem das jetzt zu verallgemeinernd war, der soll sich die Zahlen mal ansehen. Lächerlich ist das.
Horst Schulte
Genau das meinte ich. Die Eltern sind verantwortlich für die Kinder.
Aber:
WENN kindergeld einfach nur eine Prämie (in Raten) für ein geborenes Kind sein soll, was du gerade so formuliert hast, dann richtet sich die Höhe der Prämie nach dem Bedarf an nachwachsenden Kindern? Bei sinkendem Bedarf wird der Anreiz der Prämie reduziert?
Sehe ich nicht so.
Ich denke, Kindergeld soll eine Entlastung der Eltern sein, den gesamten notwendigen Betrag für den kindesunterhalt aufbringen zu müssen. Kindergelderhöhungen richteten sich dann nach dem gestiegenen Preis für die notwendigen Sachen.
Demnach wären die Gelder ureigenst dem Kind zugedacht und nur treuhänderisch den eltern übereignet.
Das ist der Unterschied.
Weil, zumindest für die richtige Verwendung ist der Staat verantwortlich. Wenn er den Eltern das nicht zutrauen darf, muß er andere Wege finden…
Gutscheine verfallen, weil Eltern…
Schulkinder haben kein essen, weil Eltern…
Der Staat kann sich da nicht in Unschuld wiegen und sagen, er habe doch gezahlt.