Wenn nur jeder an sich denkt, ist an alle gedacht

September 7, 2011 2 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 114 x aufgerufen.
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Die Veränderungen der Sozialsysteme, die uns Gerhard Schröder während seiner Regierungszeit verordnet hat, sind ja nach Ansicht vieler Leute mitverantwortlich dafür, dass es im Moment so gut läuft. Dass das nicht für alle Menschen gilt wird andererseits auch beklagt. Unser Staat ist grandios verschuldet, was in den Augen der Marktgläubigen hauptsächlich daran liegt, dass dieser Sozialstaat immer noch zu übermächtig ist. Ein Blick auf die Etats der letzten Jahre zeigt, wie gewaltig der Anteil des Bereiches Soziales in Deutschland ist.

Die aktuelle Debatte ist in dieser Zeit davon bestimmt, dass die Zugewinne der Einkommen von Selbstständigen und die Erträge aus Kapitalerträgen deutlich stärker sind als die der Arbeitnehmer – von den Rentnern gar nicht zu sprechen. Über Monate strahlten die Experten wegen der blühenden Konjunktur. Diese Euphorie ist inzwischen längst der Sorge gewichen, dass die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten bald starken Einfluss auf die so genannte Realwirtschaft nehmen dürften. Das hat wieder etwas von einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Die Umsatz- und Gewinnentwicklung der deutschen Unternehmen ist positiv – ebenso die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Aber die Medien sind voll von schlechten Nachrichten. Nicht nur die Währungs- und Verschuldungsproblematik macht uns große Sorgen. Auch die gerade wieder auf die Tagesordnung gesetzte Behauptung, dass die staatliche Rente in den kommenden Jahren zu einer dramatischen Altersarmut führen wird.

Bald wird wohl überall auf der ganzen Welt gespart. Vielleicht nicht ganz so, wie wir es von den Griechen fordern. Aber das wird wohl ausreichen, um jede positive wirtschaftliche Entwicklung im Keim zu ersticken. Wenn die Sparmaßnahmen so wirken, wie wir es in Griechenland sehen, kann man sich vorstellen, wohin das führen wird. Exportmärkte, die die schlechte Nachfrage im eigenen Land kompensieren könnten, stehen in diesem Fall nicht mehr zur Verfügung. Die Neunmalklugen, die von den Politikern fordern, endlich massive Sparprogramme vorzulegen, werden auch darauf gewiss eine Antwort haben. Jedenfalls eine, die die Reichen verkraften können.

In meinem Alter beschäftigt man sich natürlich mehr mit Rentenfragen als in jüngeren Jahren. Das ist bestimmt gut so. Zudem nutzen jüngere Leute (hoffentlich jedenfalls) die Gelegenheit, privat vorzusorgen, weil sie wissen, wie unsicher sich die gesetzliche Rente entwickelt. Die Systeme können natürlich verändert werden – vielleicht in ähnlicher Weise wie sie sich schon seit Jahrzehnten in Ländern wie der Schweiz, Holland und zum Teil in skandinavischen Ländern entwickelt haben.

Viele Menschen werden in Deutschland unanständig schlecht bezahlt. Den Boden hierfür haben die eingangs beschriebenen Sozialreformen des Gerhard Schröder bereitet, die sich angeblich so sehr bewährt haben sollen.

Die schlechte Bezahlung hat nicht nur negative Seiten für die Gegenwart der Betroffenen, sie hat auch schlimme Auswirkungen auf die entstehenden Rentenansprüche. Politiker und Fachleute raten den Menschen, sich zusätzlich zu versichern. Das ist auf der einen Seite zwar logisch, auf der anderen Seite muss man aber auch danach fragen, wie diese zusätzlichen Kosten getragen werden sollen.

Eine unschöne Begleiterscheinung ist in meinen Augen, dass die Leute, die sich vehement für die Vorsorge der Menschen eingesetzt haben, von diesen Aktivitäten profitieren (Riester und Rürup).

Die Regierung widmet sich dem Problem und erntet Kritik:

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen plant eine Mini-Reform im Kampf gegen Altersarmut. Der Plan sieht für Erwerbsminderte eine verbesserte Rente vor, Frührentner sollen mehr hinzuverdienen dürfen und Mini-Renten auf 850 Euro aufgestockt werden. Die Kritik folgt prompt. Quelle

Die Politik allein kann die skandalösen Verhältnisse in diesem reichen Land nicht ändern. Die Wirtschaft müsste schon ihren Beitrag dazu leisten. Aber die befindet sich mental ja schon wieder auf konjunktureller Talfahrt. Damit sind und vor allem werden die Zeiten so schlecht, dass sie sich auch flux aus ihrer Verantwortung stehlen kann.

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2 Kommentare

  1. Bjoern 7. September 2011 at 13:37 - Antworten

    Sehr guter Artikel…wenigstens hast Du darauf verzichtet alles “Gut SO” hinzustellen…
    In meinen Augen werden wir von vorne bis hinten verarscht…egal wo KK/AV/Rente
    Am ersten eines Monats liest man Krankenkassen machen Milliarden schwarze Zahlen und ein Monat später müßen die Beiträge unbedingt angepasst werden. Den Firmen geht es doch nur Gut in De. weil sie “Professoren quasi zum Toilette putzen ” einstellen dürfen/können mit dem dazugehörigen Lohn – Ist natürlich ein zugespitzte Situation aber dennoch nicht unmöglich hier zu Lande!
    Die Arbeitsämter sitzen voll mit Personal – die so Dumm sind wie hundert Meter Feldweg. Solche Menschen entscheiden über die Zukunft von Menschen die durch dieses System die gearschten sind. Besser ist es nicht zu sehen!

  2. Horst 7. September 2011 at 18:27 - Antworten

    Danke Björn! Wer weiß, wohin sich dieses Europa entwickeln wird.

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