50 Jahre zurück

September 9, 2011 Keine Kommentare » | Dieser Artikel wurde 136 x aufgerufen.
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Es gibt nicht viele Ereignisse, an die man sich auch nach 50 Jahren noch gut erinnern kann. Dazu gehören vielleicht die Einschulung, die Kinderkommunion und solche Dinge. Ich kann mich noch genau an meine Einschulung erinnern. Ich hatte furchtbar schlechte Laune. Das war damals eine völlig neue Erfahrung für mich.

Gleich in der ersten Woche bekam ich von einem Lehrer eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte. Ich hatte aus dem Fenster geguckt und wahrscheinlich meiner verlorenen Freiheit hinterher getrauert. Den Lehrer juckte das nicht. Er weckte mich ziemlich unsanft aus meinem Tagtraum. Ich erinnere mich, dass mein Vater (Jahrgang 1922) darüber sehr aufgebracht war und sich beim Lehrer persönlich darüber beschwert hat. Das bedeutete etwas, weil es den Menschen der Generation meines Vaters nicht so leicht fiel, sich mit den Honoratioren der damaligen Zeit anzulegen. Genützt hat das nicht viel. Der Lehrer war ein brutaler Schläger. Jedenfalls habe ich es (bei anderen, nicht bei mir) später noch einige Male erlebt, wie er zugeschlagen hat. Aber so war das Anfang der 60er Jahre eben noch.

Dieser Lehrer hat sich ein paar Jahre danach bei einer Übung am Reck den Arm gebrochen. Da habe ich erstmals bewusst erlebt, wie schön Schadenfreude ist.

Aber es geht um eine andere Geschichte. Wir lebten damals auf dem Anwesen eines reichen Mannes. Für unsere Verhältnisse war er das. Es war einer der wenigen Unternehmer, die wir am Ort hatten. Seiner Familie gehörte in zweiter Generation ein zu dieser Zeit in Deutschland und Europa bedeutendes Unternehmen zur Herstellung von Bodenbelägen. Das Vermögen der Familie war entsprechend. Mein Vater kümmerte sich als Gärtner um den “Sonnenhof“. So hieß das Anwesen. Meine Schwester und ich hatten dort eine glückliche Kindheit. Für Kinder hatte das Leben dort etwas Paradiesisches. Allerdings war die relative Abgeschiedenheit (der nächste Ort war einige Kilometer vom nächsten Ort entfernt) auch ein Grund dafür, dass wir ab und an etwas Langeweile hatten. Erst als wir schon etwas älter waren, kamen uns auch unsere Freude mal besuchen. Ich hatte im Gegensatz zu meiner Schwester Glück, weil der Sohn des Hauses fast gleichaltrig war. Wir waren in unserer Kindheit und Jugend dicke Freunde.

Ich war viel bei ihm zu Hause – auch am 10. September 1961. Es war ein schöner Sonntag Nachmittag. Wenn ich es richtig erinnere spielten wir auf der Terrasse des Sonnenhofs und die Erwachsenen saßen bei Kaffee und Kuchen.

Irgendwann kam der Vater meines Freundes sichtlich betroffen auf die Terrasse und erzählte, dass Wolfgang Graf Berghe von Trips beim Formel1-Rennen in Monza (Italien) tödlich verunglückt sei. Die Familien waren eng befreundet. Ich kann mich erinnern, dass er kurz danach von Bedburg nach Horrem fuhr, um der Mutter des verunglückten Rennfahrers beizustehen. Damals war ich noch keine 8 Jahre alt, aber die Betroffenheit in der Familie war so fühlbar, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe. Übrigens war, wenn ich es richtig weiß, Graf Berghe von Trips das große Vorbild des anderen Kerpener Rennfahrers.

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