[W:Volker Pispers] habe ich gestern zum 3. Mal live genossen. Politisches Kabarett von 20 bis kurz nach 23 Uhr. Die Pause dauerte vielleicht 30 Minuten. Es wurde wieder viel geboten fürs Geld.
Ein uneingeschränktes Vergnügen war es für mich trotzdem nicht.
Die Programme (die, wenn ich es richtig weiß, schon seit Anfang der 2000er Jahre “Bis neulich” heißen) sind immer sehr unterhaltend, obwohl es natürlich! ausschließlich um Politik geht. Der Saal war ausverkauft. Ganz so, wie man es von Pispers gewöhnt ist. Die Leute waren begeistert. Es wurde viel gelacht, und um uns herum hörten wir die eine oder andere Zuschauer-Bemerkung zu Pispers Spitzen. Er ließ keine der politischen Parteien aus – wirklich keine. Auch Sarrazin wurde nicht geschont. Auch die Augenblicke kamen zur Geltung, die man so häufig bei politischem Kabarett vermisst: Mancher Lacher blieb den Zuhörerinnen und Zuhörern im Halse stecken. Entweder deshalb, weil die Pointe unerwartet in eine andere Richtung zielte und nicht selten auch deshalb, weil man sich selbst regelrecht ertappt fühlte.
Ich könnte zusammenfassend schreiben, es war ein sehr ausgewogenes Programm – jedenfalls für einen Linken. Aber nur bis zur Pause.
Danach offenbarte Pispers ein Sendungsbewusstsein, das ich nachher im Gespräch mit meiner Frau in meiner Verwirrung doch wirklich als linkes Sektierertum abqualifizierte.
Mir war das echt zu viel. Pispers arbeitete sich ätzend lange und dazu wenig witzig daran ab, dass wir Deutsche zwar an allem und jedem herummäkeln, aber nicht in die Hufe kommen, wenn es darum geht, etwas zu ändern. Im Mittelpunkt stand die ungleiche Verteilung der Einkommen – nicht nur in Deutschland, sondern global und die Auswirkung, die das auf unsere Demokratien haben wird.
Er kritisierte die Politiker dafür, dass sie nicht den Willen ihrer Wähler umsetzen, sondern die Interessen der max. 20% unserer Bevölkerung, die den überwiegenden Teil (80%) des Vermögens zusammengerafft hätten. Diese Formulierung stammt von mir – nicht von Pispers.
Viele Sichtweisen teile ich. Wirklich. Auch für den zweiten Teil des Programms mag Kabarett der zutreffende Begriff sein. Mich hat er mehr betroffen gemacht. Amüsieren konnte ich mich darüber nicht – offenbar im Gegensatz zur Mehrheit im Saal.












Pispers schießt manchmal in der Tat etwas über das Ziel hinaus, aber im Großen und Ganzen ist er immer noch einer meiner Lieblingskabarettisten in Deutschland. Ich kann aber durchaus nachvollziehen, warum es dir zu viel wurde, du beschäftigst dich einfach sehr intensiv mit Politik und nimmst es daher anders wahr, als ich das z.B. täte.
Da ich aber sein derzeitiges Programm nicht gesehen habe, ist das natürlich nur eine Vermutung – vielleicht hat er ja tatsächlich mal geschwächelt, was den Unterhaltungswert angeht.
Mir hat das Programms ingesamt schon sehr gut gefallen aber, wie gesagt, der letzte Teil war schon anstrengend. Auch für mich ist Pispers einer der besten Kabarettisten, die wir haben.