Ich habe nicht vergessen, dass es schon einmal ein Thema war, als Wolfgang Bosbach nämlich nach den letzten Bundestagswahlen bei der anstehenden Regierungsbildung karrieremäßig ins “Hintertreffen” zu geraten schien. Damals war es Thema in der hiesigen Presse. Bosbach hätte sich mehr ausgerechnet. Aber immerhin wurde er Vorsitzender des Innenausschusses im Deutschen Bundestag. Er ist gern gesehener Gast in Talkshows, meinungsstark und redegewandt.
Bosbach stammt aus Bergisch Gladbach. Er ist ein Mann, der immer jovial wirkt aber durchaus seine Ecken und Kanten hat. Ein Politiker, wie man ihn sich eigentlich wünscht. Auch deshalb fände ich es schade, wenn er seine Überlegungen, der aktiven Politik den Rücken zu kehren, wahr machen würde.
In der ganzen Hektik um die Bundestagsentscheidung zum ESFS ist es mir entgangen, dass Bosbach sich eindeutig gegen die Ausweitung des Rettungsschirmes ausgesprochen und bei der Abstimmung mit Nein votiert hatte. Erst sein Auftritt in der “Heute Show” machte mir die Dimension deutlich, die diese Personalie inzwischen erreicht hat. Wolfgang Bosbach trägt sich ernsthaft mit dem Gedanken, sich aus der Politik zurückzuziehen.
Wolfgang Bosbach mag redselig sein — Rheinländer eben. Und zwar einer mit Prinzipien, wie man auch am aktuellen Beispiel wieder sehen konnte. Wolfgang Bosbachs Positionen sind mit meinen meistens über Kreuz. Trotzdem halte ich es für schlechten Stil, wie Regierungsmitglieder und offenbar auch Mitglieder der Regierungsfraktionen mit ihm umgegangen sind.
Wie bitter seine Erfahrungen im vorliegenden Fall sind, kann man diesen Sätzen entnehmen:
Einen Zusammenhang zwischen seinem Gesundheitszustand und den Gedankenspielen, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, wies Bosbach zurück. Es sei kein Geheimnis, dass er an einer chronischen Herzmuskelentzündung leide und dass vor eineinhalb Jahren eine weitere „böse Diagnose“ hinzugekommen sei – bei Bosbach wurde eine Krebserkrankung entdeckt. Zwar kämen die gesundheitlichen Probleme nun hinzu. „Aber vor einem Monat hätte ich noch gesagt, ich kandidiere gerne wieder für den Deutschen Bundestag.“ Quelle: Abendblatt
Es wurde weiterhin behauptet, Bosbach habe gestern deshalb mit Nein gestimmt, weil sich seine Karriereaussichten nicht erfüllt hätten. Wäre diese Reaktion, die immerhin Bezug nimmt auf die schon erwähnte Regierungsneubildung nach den Wahlen im Jahre 2009, nicht ein bisschen spät? Abgeordnete sind häufig der Parteiräson verpflichtet und diese wird im Zweifelsfall von der Parteispitze “eingeklagt”. Überraschen wird das die wenigsten.
Bosbach hat in diesem Fall die Mehrheit der Bevölkerung vertreten und darf gewiss sein, dass viele Bürgerinnen und Bürger ein Auge auf die Angelegenheit haben werden. Sowohl von der Regierung als auch von der Unionsfraktion, deren stellvertretender Vorsitzender er übrigens während der Großen Koalition war, sollte man mehr Verständnis für demokratische Spielregeln erwarten können. Oder sind das etwa inzwischen die “demokratischen Spielregeln”.











Schon bedrückend, dass jemand, wenn er denn seinem Gewissen und seiner Verantwortung folgt,aus den eigenen Reihen beschimpft wird.
Ich halte das für sehr undemokratisch. Schon klar ist, dass die Abgeordneten auch ihrer Partei verpflichtet sind. In erster Linie aber doch ihrem Gewissen. Und das haben die anderen in meinen Augen gefälligst zu respektieren. In meinen Augen macht diese Erfahrung auch deutlich, welche Schwächen das System entwickelt hat. Ich glaube nicht, dass man solche Beobachtungen abtun sollte unter dem Motto: das ist eben so in der Politik.