Wir werfen 15 Millionen Tonnen Lebensmittel weg

Oktober 1, 2011 10 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 267 x aufgerufen.
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15 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen deutsche Haushalte Jahr für Jahr auf den Müll. Wir regen uns wirklich über jeden Scheiß auf. Aber die Dinge, für die wir selbst verantwortlich sind, werden kaum thematisiert. Vor 50 Jahren gaben wir in Deutschland mehr Geld für Lebensmittel aus als heute. Man könnte auch sagen: Früher wusste man den Wert von Lebensmitteln noch zu schätzen. Aber das ist wohl eine eher unpopuläre Meinung.

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Jährlich wandern 15 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll bei Deutsches Netzwerk Schulverpflegung e.V. (DNSV)[/yellow_box]

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10 Kommentare

  1. dauni 1. Oktober 2011 at 14:27 - Antworten

    Was hat mein alter Vater früher gesagt: “Uns geht’s zu gut” Dafür ist er oft belächelt worden. Aber er hatte damals schon recht.

  2. Horst 1. Oktober 2011 at 16:23 - Antworten

    Die 900 Tafeln in Deutschland bedienen sich zum Glück unserer Unsitte. Aber es wäre unter diesen Umständen doch wirklich sehr schön, wenn viel viel früher ein System (oder wie immer man das nennen soll) greifen würde, dass nicht diesem Überangebot führen, sondern für eine einigermaßen gerechte globale Verteilung von Lebensmitteln sorgen würde. Aber natürlich bieten unser egoistisches, auf dem Kapitalismus beruhendes Tun dafür kaum Ansatzpunkte. Dass Lebensmittel auf der einen Seite von a nach b gekarrt werden, wenn sich das betriebswirtschaftlich rechnet, zeigt andererseits, dass so etwas unter anderen Vorzeichen schon funktionieren könnte.

  3. Jan 1. Oktober 2011 at 20:24 - Antworten

    Tja, ich für meinen Teil halte es allerdings für einen Segen, dass sich bei uns nach Jahrhunderten des Hungers und der Entbehrung heutzutage nicht nur jeder soviel zu essen leisten kann, wie er zum leben braucht, sondern die Qualität des Essens selbst der Ärmsten in unserer Gesellschaft noch nie höher war. Gewiss ist da immer noch Luft nach oben, so dass ich die These, “uns” ginge es “zu gut” so nicht teilen würde aber dass unsere Landwirtschaft beispielsweise so effizient ist, wie sie ist, ist prinzipiell erstmal positiv und hat Hungersnöte, die den bei weitem größten Teil der Menschheitsgeschichte bis ins letzte Jahrhundert hinein viel zu oft bestimmt und Milliarden Menschenleben gekostet haben.

    Ich bin daher dafür, unser Modell lieber zu exportieren und die Landwirtschaft in Gegenden, in denen heute noch Hungersnöte autreten, mit vernünftiger Entwicklungshilfe entsprechend aufzubauen. Natürlich muss man dann auch andere Dinge, wie zum Beispiel die europäischen Exportsubventionen angehen, damit die Märkte in der Dritten Welt in Gang kommen und aufblühen und nicht wie heute meistens sofort wieder mit hochsubventionierten Billignahrungsmitteln aus Europa totgeschlagen werden.

  4. Horst 2. Oktober 2011 at 10:50 - Antworten

    Jan, Natürlich sind wir alle froh darüber, dass wir genug zu essen haben. Mit dicken Bäuchen protestiert es sich nicht so gut. Dafür hat die FDP ja wenigstens mit gesorgt :-)

    Ich kann deinem Vortrag nur beipflichten. Ich will keine staatliche Umverteilung von Lebensmittel oder sonst einen Schwachsinn. Das viele Geld, das in die so genannte Entwicklungshilfe geflossen ist, hat scheinbar nicht viel bewirkt. Und dass trotz alledem bei uns so wahrsinnig viele Lebensmittel auf dem Müll landen, ist doch wirklich eine Schande. Es zeigt, wie egoistisch wir sind. Allein schon deshalb, weil die Mengen immer noch wachsen. Es gibt ein Angebot, das dafür ausreichen würde, dass viel mehr Menschen satt würden — ich meine, nicht in Äpfel, Birnen und Brot, sondern im Gegenwert von Geld.

  5. Jan 2. Oktober 2011 at 20:23 - Antworten

    Entwicklungshilfe wurde leider häufig falsch angegangen. Das Ergebnis war sehr häufig, dass man damit ohne es zu wollen irgendwelche merkwürdigen Regime unterstützt hat, denen man mit der Hilfe die Möglichkeit gegeben hat, das eigene Volk ohne den Aufbau einer funktionierenden Ökonomie ruhig zu stellen. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass die einzige wirklich nachhaltige Entwicklungshilfe wahrscheinlich aus einer Art Bank für Mikrokredite bestehen müsste, alles andere taugt höchstens als Maßnahme zur Linderung akuter Not aber eben nicht für eine dauerhafte Verbesserung der Lebensverhältnisse.

    Nicht sicher bin ich, ob man das Wegwerfen von Lebensmitteln pauschal als Egoismus bezeichnen kann. Zum Einen macht man sowas ja in der Regel nicht absichtlich, sondern weil man sich verkalkuliert hat und entweder zuviel eingekauft hat oder das Haltbarkeitsdatum erreicht wird, bevor man dazu kommt das Produkt zu essen. Zum Anderen ist es ja leider nicht so, dass in Afrika automatisch mehr zu essen da ist, wenn wir weniger wegwerfen.

  6. Horst 3. Oktober 2011 at 00:09 - Antworten

    Jan: Art Bank für Mikrokredite

    Jedenfalls hätte die den großen Vorteil, vor Ort bei den Leuten zu sein und die Projekte damit effizienter unterstützen zu können.

    Was das Wegwerfen von Lebensmitteln anlangt, bin ich schon der Meinung, dass jeder dafür seinen Teil der Verantwortung tragen sollte – mit entsprechend schlechtem Gewissen. Wenn ich mich verkalkuliere, was natürlich vorkommt, dann muss ich aus dieser Erfahrung aber für das nächste Mal meine Lehren ziehen. Und das passiert wohl überhaupt nicht. Im Gegenteil: Das übergroße Angebot führt dazu, dass wir noch leichtfertiger mit Lebensmitteln umgehen. Auch unsere Art, immer nur die günstigsten Preise zahlen zu wollen belegt, dass wir den Wert von Lebensmitteln nicht mehr richtig schätzen. Aber natürlich ist es nicht möglich, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Hunger in manchen Regionen mit diesem Verhalten herzustellen – leider. So gern ist das auch hätte.

  7. Rainer 5. Oktober 2011 at 12:03 - Antworten

    Die Statistik ist auf jeden Fall nicht schön anzusehen, aber wie bringt man einem ganzen Land bei, sparsamer bzw. bedachter mit Lebensmitteln umzugehen?
    Dann kommen die Argumente, dass daran ja Arbeitsplätze hängen, dass wir die Auswahl verdient hätten (?!)…
    Selbst wenn wir bedachter damit umgehen würden, inwiefern hilft das Regionen mit Hungersnöten?

  8. Horst 6. Oktober 2011 at 08:30 - Antworten

    Rainer, Wenn wir uns einschränken, hilft das wohl nicht dabei, dass die Nöte in anderen Regionen der Erde abnehmen. Das Bewusstsein ist wichtig. Aber vor allem wären es heute nicht vorhandene Regeln, die dabei helfen könnten, das Problem zu lösen.

    Gestern habe ich gehört, dass Deutsche Bürger für Entwicklungshilfe weniger als 1 Euro pro Kopf zahlen. Für eine Kuh jedoch werden über 800 € jährlich an Subventionen bezahlt. Für Kühe wohlgemerkt, die mehr Milch produzieren als überhaupt gebraucht wird. Der Subventionswahnsinn trägt also dazu bei, dass Kapazitäten (auch finanzielle) gefunden werden, die wenigstens teilweise viel Positives bewirken könnten.

  9. Marena Totti 16. Oktober 2011 at 11:23 - Antworten

    Ich finde, daran ist auch die Lebensmittelindustrie schuld. Wie viele Produkte werden als Großpackungen angeboten? Oft kommen wir, als 2-Personen-Haushalt, nicht dazu, so viele Mengen in so kurzer Zeit zu verbrauchen. Und häufig schimmelt es dann in der hinteren Ecke des Kühlschranks vor sich hin.

    Bei vielen Produkten habe ich mir schon oft kleinere Portionen gewünscht. Manchmal gibt es diese auch, aber zu fast dem gleichen Preis wie die größere Menge…

  10. Horst 16. Oktober 2011 at 11:35 - Antworten

    @Marena: Es werden zwar immer mehr Kleinpackungen (auch für Single-Haushalte) angeboten aber da ist noch viel zu tun. Da die Nachfrage nach solchen kleineren Packungsgrößen immer weiter zunimmt wird die Industrie sich darauf hoffentlich irgendwann auch mal einstellen.

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