Ronald Pofalla – die arme Sau

Oktober 4, 2011 5 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 137 x aufgerufen.
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Medien und Öffentlichkeit mokieren sich gern über streitende Politiker. Gerade, wenn der Streit im Regierungslager stattfindet. Ist es da ein Wunder, wenn die sie tragenden Parteien, um dieses Bild möglichst zu vermeiden, hinter geschlossenen Türen dafür “gesorgt”, dass die “Fraktionsdisziplin”, die eigentlich im Widerspruch zur freien und verbrieften Gewissensentscheidung der Abgeordneten steht, wenigstens in Fragen überragender Bedeutung gewahrt bleibt? Aber auch das klappt bei dieser Regierung nicht.

Es kam nämlich überraschenderweise heraus —war Wolfgang Bosbach eigentlich die undichte Stelle?—, dass die Bemühungen, eben diese Fraktionsdisziplin herzustellen, auch schon mal dazu führen können, dass es zwischen den beteiligten Personen laut wird. Es wurde von verbalen Entgleisungen berichtet. Wie unfein.

Es war wohl kaum überraschend, dass den elementaren Entscheidungen über den ESFS, klare, unmissverständliche Ansagen der für den Regierungskurs verantwortlichen Leute (wie etwa dem Kanzleramtsminister) vorausgehen würden. Hatte nicht die Öffentlichkeit diese Entscheidung hochstilisiert zum Votum für oder gegen den Fortbestand der Merkel-Regierung?

In den Konferenzzimmern und auf den Fluren des Kanzleramtes und überhaupt dort, wo wichtige Entscheidungen vorbereitet werden, wird also auch Klartext gesprochen. Ach nein: Pofallas, “Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen”, Ausbruch war ja kein Klartext, sondern es handelte sich um verbale Entgleisungen, die eines Kanzleramtschefs unwürdig sind. Deshalb fordern einige nun seinen Rücktritt. Leute, glaubt ihr wirklich, dass Politiker nicht, wie zum Beispiel eure Chefs (bis in die Vorstandsetagen unserer Dax-Unternehmen), zu gemeinen Flüchen fähig wären? Also, bitte!

Pofalla hat ganze Arbeit geleistet (und wahrscheinlich nicht nur er). Jedenfalls kam es zu der beschworenen Kanzlermehrheit. Darüber ärgern sich die Medien nun, weil vorerst der mediale Kanon, die begleitende Berichterstattung zu Merkels Niedergang, abgesagt werden musste. Also stürzen sie sich wie ein Mann auf Ronald Pofalla und fordern seinen Rücktritt. Die arme Sau.

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5 Kommentare

  1. Pauli 4. Oktober 2011 at 12:34 - Antworten

    Mit dem Wortschatz eines SA-Parteigängers hat CDU-Minister Ronald Pofalla
    den mutigen Herrn Bosbach beschimpft. Dies macht den inneren Zustand der
    FDP/CDU-Regierung unseres Landes deutlich: Geltungsdrang, Ellenbogen-
    mentalität, Aufschneiderei, Lügen, Betrug. Das sind die intimsten Begleiter unserer Politiker (Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis usw.).
    Wielange sollen wir Bürger derartige Versager in diesem
    parlamentarischen Demokratismus noch ertragen?!

  2. Jan 4. Oktober 2011 at 17:59 - Antworten

    Du verwechselst da etwas, Horst: Das Kanzleramt ist nicht der “Chef” vom Parlament, sondern umgekehrt. Das hat Herr Pofalla anscheinend aber auch verwechselt. Mitglieder der Regierung, die glauben, sie seien die Chefs des Parlamentes und damit des Deutschen Volkes sollten umgehend aus ihrem Amt entfernt werden.

  3. Horst 4. Oktober 2011 at 18:07 - Antworten

    @Jan: Woraus schließt du, dass ich das Kanzleramt als Chef des Parlamentes betrachten würde? Das wäre ja ganz furchtbar – egal, welche Partei gerade den Kanzler stellt. Die Ironie im Text habe ich wieder so versteckt, dass sie keiner sieht. Schande über mich.

  4. Jan 4. Oktober 2011 at 18:58 - Antworten

    Na, die Analogie zu einem Chef in einer Firma wird jawohl nicht ironisch gemeint gewesen sein.

  5. Horst 4. Oktober 2011 at 19:37 - Antworten

    Genau!

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