Das Internet: Eine der letzten Bastionen individueller Freiheit?

November 1, 2011 Keine Kommentare » | Dieser Artikel wurde 196 x aufgerufen.
Beitrag versenden | Beitrag drucken

Gibt es eigentlich Leute die das Internet wirklich verstehen? Viele tun ja doch nur so als ob. Wenn man deren Standpunkt -sagen wir zur Frage der Anonymität im Netz- auf seine Substanz hin abklopft, bleibt wenig übrig – von der Netzkompetenz. Dabei tragen sie die doch in Diskussionen oft wie eine Monstranz vor sich her.

Gestern ging es in SAT1 bei “Eins gegen Eins” auch um die Frage, ob Anonymität im Netz ein besonders schützenswertes Gut wäre (Jou: Freiheit im Netz — für alle!). Cybermobbing rüttelt die Leute auf. Damit lässt sich Meinung machen. Auch zum Leidwesen der Befürworter der Anonymität im Web.

Anhand eines kleinen Beispieles brachten die Anonymitätskritiker die andere Seite ganz schön in Schwierigkeiten: In einem Tweet behauptete der anonyme Absender, beim Metzger XYZ solle man auf gar keinen Fall einkaufen, weil dieser Gammelfleisch verarbeite.

Ja, so deren Befürworter, die Leute würden doch nicht aufgrund einer solchen Meldung ihr Verhalten ändern. Sie würden über diesen Metzger googeln und weitere Informationen über diesen sammeln. Das machen vielleicht einige Leute. Aber ist es nicht eindeutig die Minderheit, die das tut? Bestimmt werden die meisten anderen, die diesen Tweet gelesen haben, sich dieser Mühsal nicht unterwerfen. Der Metzger wird den gegen ihn geäußerten Verdacht nicht einfach so los.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass Menschen so nicht sind, wie die Befürworter von Anonymität im Netz sich das wünschen. Obwohl mir das auch lieber wäre. Im vorliegenden Beispiel hätte man sich ggf. weitere Informationen besorgen können und somit zu eigenen, einigermaßen objektiven Schlussfolgerungen kommen können. Aber was passiert in den Fällen, in denen über die Person oder die Institution gar nichts zu erfahren ist? Nicht alles kann man auf seinen Wahrheitsgehalt hin checken. Der entstehende Schaden für den Einzelnen könnte riesig sein und für diesen existenziell bedrohend. Da mussten die Anonymitätsbefürworter passen. Sie versuchten sich damit herauszureden, dass das Beispiel ein konstruierter Einzelfall gewesen sei.

Damit war für mich der Zeitpunkt erreicht, mich aus der Diskussion auszuklinken.

Ich verstehe diejenigen, die im Internet möglichst alles so belassen wollen, wie es noch heute ist. Dabei gibt es rechtliche Grundlagen, die aufgrund der technischen Voraussetzungen angepasst werden müssten. Aber grundsätzlich gelten die Gesetze. Viele überhöhen in meinen Augen das Internet als eine der letzten Bastionen persönlicher Freiheit. Den Standpunkt könnte ich verstehen, wenn ich in Russland, in China oder einem anderen undemokratischen Land leben würde. Aber mit Verschwörungstheorien über gleichgeschaltete Medien in Deutschland und ähnlichem Zeug mag ich mich nicht auseinandersetzen. Dabei bin ich mit dem Zustand unseres Landes auch keineswegs zufrieden. Trotzdem halte ich es in dieser Beziehung mit den traditionellen Methoden der Auseinandersetzung. Wenn mir was nicht passt, äußere ich mich dazu – aber ich setze meinen Namen darunter!

Sich gegenseitig die Kompetenz abzusprechen hat übrigens noch nie zu etwas geführt. So klug sollten diejenigen sein, die heute den internetkritischen Teilnehmern an der Diskussion ihre Medienkompetenz schlankweg absprechen. Allein der spöttische Unterton in vielen Äußerungen ist anmaßend und wenig zielführend.

[darkgrey_box]Diskussion bei Facebook[/darkgrey_box]

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Dein Kommentar