Dönermorde galten als Taten mit “allgemeindeliktischem” Hintergrund

November 19, 2011 5 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 416 x aufgerufen.
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Dönermorde galten als Taten mit “allgemeindeliktischem” Hintergrund

Viele sind darüber erschrocken, dass Nazis über einen langen Zeitraum unentdeckt Morde begehen konnten. Die teilweise erschreckend eindimensionalen Debatten zur Suche nach den Schuldigen gehört offenbar zum “Aufarbeitungsritual”, ohne das die Öffentlichkeit nicht auszukommen scheint. Von eindimensional rede ich deshalb, weil es in den Köpfen vieler nur darum geht, ob unser Staat »auf dem rechten Auge blind« wäre. Es entwickelt sich beim (hoffentlich nicht mehr ganz) unbeteiligten Beobachter das Gefühl, der linke Terror sei besser als der rechte oder umgekehrt.

Wahrscheinlich haben wir es mit einer ganzen Kette von Fehlleistungen zu tun. Bei den zuständigen Sicherheitsbehörden wird man diese suchen und finden aber auch in der deutschen Öffentlichkeit. Wir arbeiten uns seit Jahr und Tag am islamistischen Terror ab und haben keine Auge dafür gehabt, dass im Windschatten unserer ach so gepflegten Debatten eine Radikalität entstanden ist, die extremistische Gewalttaten heraufbeschworen hat. Aber wahrscheinlich werden wir auch jetzt davon nicht wirklich was wissen wollen!

Man braucht sich nur die Mühe zu machen und die einschlägigen rechten Blogs durchzulesen. Mich macht das fassungslos. Das geht soweit, dass die Taten nicht als Terror zu gelten hätten. Die Lesart ist dort so, als ob die zum Teil als »Dönermorde« bezeichneten Verbrechen, auch heute noch als Taten mit allgemeindeliktischem Hintergrund (so nannte es Otto Schily einst) zu begreifen seien. Ich finde auch Blogbeiträge auf der linken Seite des politischen Spektrums, denen ich in diesem Kontext ebenfalls wenig abgewinnen kann. Ich verzichte hier auf alle Links, weil ich mich ungern beleidigen lasse. Und gerade in solchen Fragen scheint das im Deutschland dieser Tage grade bei diesen Themen unvermeidlich zu sein.

Wir wollen uns wieder mal mit der NPD anlegen? Gut so. Wäre es nicht viel wirksamer, wenn wir nicht eine politische Partei verbieten, sondern -wir alle- in unseren Wohnzimmern und Kneipen klar Kante zeigen würden? Immer dann, wenn es darum geht, wie wir uns Deutschland wünschen. Ich glaube, hier in NRW hat die NPD bei den letzten Wahlen 0,7% aller Stimmen bekommen. Was sagt ein solches Ergebnis über die Denkweise der BürgerInnen? Verbieten bringt nichts. Überzeugen ist besser. Zumindest sollten wir das versuchen. Es liegt in unserem Einfluss. Das können wir selbst tun. Politiker oder Beamte zu beschimpfen ist billig. Und erfahrungsgemäß bringt das auch nichts.

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5 Kommentare

  1. Dominik M. 19. November 2011 at 23:57 - Antworten

    Danke für diesen interessanten Artikel!

    Ich finde es sehr schade, dass unsere demokratischen Grundwerte so unterlaufen werden. Haben diese Menschen nichts aus der Geschichte gelernt? In einer Demokratie kommt die Meinung des Volkes wirklich zur Geltung, in einer (linken/rechten/…) Diktatur wird sie jedoch skrupellos ignoriert. Denken diese Menschen wirklich, die Parteilandschaft schade dem Land? Glauben sie wirklich, wenn einige wenige regieren wird alles besser? Ich kann diese Menschen einfach nicht begreifen. Es ist traurig und schmerzhaft, wozu der Mensch durch die schlechten Eigenschaften des Selbstbewusstseins wie Gier, Hass und Neid zustande ist. In einer solchen Gefühlswelt benimmt der ach so kluge Mensch sich nur wie ein Tier!

    Diese Menschen sollte verstehen, dass alle, auch ihre Interessen, in einer Demokratie berücksichtigt werden. Doch sie müssen auch lernen, dass Demokratie Toleranz erfordert. Nur, wenn man das Wollen, Tun und Denken anderer akzeptiert, kann sich eine Gesellschaft weiterentwickeln.

    Auffallend ist, dass die Hochburgen rechter Kriminalität in Deutschland jene Randgebiete zu sein scheinen, die als Relikte der DDR wirtschaftlich nur schwach entwickelt sind. Diese Menschen haben nichts, sind arm und sind neidisch. In einer solchen Situation abstrahiert der Mensch – leider zu stark. Blind vor Schmerz und Neid sehen Rechte in Ausländern, Fremden und Anderswirkenden die Grundlage ihrer eigenen Probleme. Dabei könnten sie sich auch anders verhalten. Ein anderes verhalten würde ihnen zu weitaus mehr verhelfen. Wer weiß, vielleicht werden jene Rechte, die die vielen Polen im Grenzgebiet, die vor den zu hohen Preisen in ihrer eigenen Heimat (Preis einer Einraumwohnung im Raum Stettin entspricht dem Preis eines Hauses in Brandenburg) über die Grenze flüchten, vertreiben wollten und hassen, eines Tages mit ebendiesen Leuten Hand in Hand eine neue Wirtschaftsmacht aufbauen. Mögen diese Menschen ihr Denken und Handeln anpassen und sich sozial und menschlich verhalten.

    • Horst Schulte 21. November 2011 at 15:31 - Antworten

      Ich weiß nicht, ob die Menschen im Osten unseres Landes ärmer und deshalb neidisch sind. Das wäre mir zu einfach. Aber ich glaube trotzdem daran, dass politischer Extremismus sich besonders gut entwickelt, wenn die sozialen Bedingungen nicht gut sind. Das würde wiederum für diese Theorie sprechen.

      Jedenfalls ist es schlimm, wie wir erleben müssen, dass Menschen offenbar nichts dazulernen. Die Decke der Zivilisation ist verdammt dünn und brüchig.

  2. Dominik M. 19. November 2011 at 23:58 - Antworten

    Kleiner Tipp: Der Blog nutzt noch die falsche Uhrzeit, vielleicht sollte das mal an die Zeitumstellung angepasst werden. Diese Beiträge sind um 22:59h erschienen, nicht um 23:59h!

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